Flyleaf
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Flyleaf ist eine US-amerikanische Post-Grunge-Band aus Belton, Texas. Sie wurde im Jahre 2001 gegründet und durchlief mehrere Namenswechsel.

Flyleaf Biografie

Lacey Mosley – Gesang

Sameer Bhattacharya – Gitarre

Jared Hartmann – Gitarre

Pat Seals – Bass

James Culpepper – Schlagzeug



Während sich grölende Rocker immer dann alte Wunden wieder aufreißen, wenn sie verlassene Wohnsitze, verflossenes Allerlei oder kompliziert gebrochene Herzen in ihre lautstark vorgetragenen Songtexte integrieren, schlagen Flyleaf, eine fünfköpfige Band aus Belton, Texas, mit ihrer Musik bewusst eine andere Richtung ein: Die Gruppe um Sängerin Lacey Mosley, Jahrgang 1981, setzt sich zwar inhaltlich durchaus mit vergangenen Krisen auseinander, doch tun sie dies, damit alte Narben besser abheilen können – und beweisen insgesamt, dass Hoffnung für sie einen viel größeren Stellenwert hat als Anflüge von Verzweiflung. „Ein Flyleaf, das ist die unbedruckte Seite am Anfang eines Buches“, setzt Mosley an. „Diejenige Seite also, auf der Platz für eine Widmung ist, oder die Stelle, wo man eine Nachricht für jemanden hinschreibt, wenn man das Buch z.B. verschenken will. Und genau das ist es auch, was unsere Songs sein sollen: kleine persönliche Botschaften, die für einen kurzen Augenblick der Klarheit sorgen – und das, bevor die eigentliche Geschichte beginnt.“



„Früher war ich in einer absolut negativ eingestellten Band, und ich hatte den Eindruck, dass dieses Gefühl innerer Leere genau dadurch noch verstärkt wurde. Darum handelten auch die Songtexte immer von diesem Gefühl“, berichtet die charismatische Sängerin Mosley weiterhin. „Und so glaube ich auch, dass das, was wir heute tun, absolut wichtig ist, denn das hat vorher in der Musiklandschaft gefehlt: Etwas Heftiges, etwas Druckvolles, das trotzdem eine positive Botschaft transportiert. Etwas, das den Leuten sagt, dass man auch die schlimmsten Situationen irgendwie meistern kann.“



Das gleichnamige Debütalbum von Flyleaf besteht durchweg aus Songs, die von Missbrauch, Versäumnissen, Suchterfahrungen und anderen unschönen Verhältnissen handeln – und zugleich davon, wie man diese Probleme letztendlich doch hinter sich lassen kann. Das breite Spektrum druckvoller Beats, atmosphärischer Texte und weit ausholender Gitarrenriffs fügt sich nahtlos mit dem emotional aufgeladenen Gesang von Mosley zusammen, der von zurückhaltend-dahingehaucht über unfassbar melodisch bis hin zu vernichtend und aggressiv eine gewaltige Gefühlspalette abdeckt.



„I’m So Sick“ beginnt mit einer mürrischen Bass-Spur, die über zurückhaltend-verträumten Gesang tanzt, bis die Gitarren in die klangliche Szenerie platzen wie ein Felsbrocken, der eine glitzernde Glasscheibe zertrümmert. Von da an oszilliert das Stück zwischen Wut und absolut reflektierten Momenten, wobei die Gitarristen Sameer Bhattacharya und Jared Hartmann immer wieder neue Elemente präsentieren und somit die emotionalen Windungen des Songs widerspiegeln. „All Around Me“ steigert sich nach und nach zu einer undurchdringlichen Wand aus Powerchords, durchsetzt mit Jazz-Anflügen, während „Fully Alive“ wie ein bewegender Film-Soundtrack klingt, der neben wütenden Riffs auch einen weiteren grandiosen Refrain zu bieten hat.



Die offensichtliche und unbedingt ansteckende Zuversicht, die bei ihrem Sound mitschwingt, ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, was für eine problematische Kindheit und Jugend Mosley hatte: „Meine Mutter war eine junge Alleinerziehende; sie hatte sechs Kinder“, berichtet sie. „Wir hatten nie Geld, und wir alle haben konstant unter der Situation gelitten. Jedes Mal, wenn wir abgebrannt waren, sind wir einfach in den nächsten Ort weitergezogen, und das kam leider ziemlich häufig vor. Das alles war schon eine ganz schön harte Erfahrung, es bedeutete viel Leid und viele prägende Erlebnisse. Und natürlich kann man sich darüber endlos beklagen und depressiv werden, besonders, wenn man das Gefühl hat, dass es sich niemals ändern wird. In meinem Leben gab es keine Konstante, nichts, an das ich hätte glauben können.“



Doch irgendwann entdeckte Mosley, dass die Musik ihr weiterhelfen konnte: Wenn sie einen Song über die eigenen Sorgen schrieb, gelang es ihr, für einen Moment wieder Sinn in allem zu entdecken – sie konnte wieder atmen. „Ich musste erst alles verlieren und mich dann umschauen, um zu erkennen, dass ein Funken Hoffnung doch immer da war, die Möglichkeit eines glücklichen Ausgangs, und genau dafür machen wir heute Musik“, sagt sie. „Wenn meine Musik nur einer einzigen Person hilft, dann hat es sich gelohnt, all diese Erfahrungen gemacht zu haben.“



Zunächst hatte Mosley einzig mit Schlagzeuger James Culpepper Musik gemacht. Bald darauf stießen die Gitarristen Bhattacharya und Hartmann dazu, die bis dahin in einer anderen Band gewesen waren, die sich jedoch dann aufgelöst hatte. „Unsere erste Bandprobe war unfassbar gut“, erinnert sich Mosley. Das war im Jahr 2000. „Sameer und Jared probieren generell pausenlos neue Melodien und Effektpedale aus, und wir alle hatten damals unterschiedliche Einflüsse, die wir dann zum ersten Mal kombinierten... und was dabei herauskam, fühlte sich einfach nur grandios an! Es war ein absolut perfekter Moment!“ Im Jahr 2002 stieß dann auch Bassist Pat Seals dazu. „Die Tür stand sperrangelweit offen, und ich kam genau zur rechten Zeit“, erinnert er sich.



Von da an gaben Flyleaf so viele Konzerte wie möglich, was dazu führte, dass sie sich schon bald eine wachsende Fangemeinde erspielten, zu der neben lokalen Bands inzwischen auch internationale Acts wie Riddlin Kids, Bowling For Soup, Fishbone und Evanescence zählen. Schließlich spielten sie im Jahr 2003 beim South By Southwest Festival in Austin einen Showcase, der nach ein paar Meetings und weiteren Überlegungen zu einem Deal mit Octone (inzwischen A&M/Octone) führte.



Anfang 2005 erschien dann die gleichnamige Debüt-EP der Band: Von Rick Parasher (Pearl Jam, Blind Melon) und Brad Cook (Foo Fighters, Queens Of The Stone Age) produziert, konnte man hier erstmalig die einzigartige Herangehensweise von Flyleaf heraushören, als Tracks wie „Breathe Today“, „Cassie“ und „I’m Sorry“ der Band weitere Fans bescherten. Anlässlich der Veröffentlichung tourten Flyleaf mit einer ganzen Reihe von Bands: Saliva, Breaking Benjamin, 3 Doors Down, Staind und Trust Company. Und obwohl viele im Publikum zuvor noch nie von der Band aus Texas gehört hatten, konnten Flyleaf auch mit diesen Gigs immer mehr Fans für sich gewinnen.



Im Frühjahr 2005 nahmen Flyleaf dann ihr gleichnamiges Debütalbum auf, wobei ihnen der renommierte Produzent Howard Benson (Papa Roach, My Chemical Romance, P.O.D., All-American Rejects) zur Seite stand. Gemeinsam wählten sie 12 ihrer Songs aus, bauten sie um, feilten an ihnen Tag und Nacht, um den druckvollen Sound der Band auch wirklich auf den Punkt zu bringen.



„Howard hat sich voll ins Zeug gelegt; ihm war sehr viel daran gelegen, was wir zu sagen hatten, und er hat uns sehr engagiert dabei geholfen, die einzelnen Versatzstücke zu einem Ganzen zu verbinden“, erklärt Mosley rückblickend. „Wir hatten zuvor immer alles sehr schnell gemacht: ganze EPs hatten wir binnen kürzester Zeit gemeinsam mit unseren Freunden aufgenommen. Insofern war es fantastisch, zwei Monate mit Howard zu verbringen und einen absolut professionellen und zugleich leicht surrealen Prozess zu erleben.“



2006 trat die Band dann bei „Daily Download“ von Fuse TV sowie bei Jimmy Kimmel Live auf. Sie präsentierten ihre erste Single „I’m So Sick“, um direkt im Anschluss mit Korn, Deftones, Stone Sour und anderen Bands auf die „Family Values“-Tour zu gehen. Und in der zweiten Jahreshälfte legten sie gleich eine weitere Tour nach: Gemeinsam mit Stone Sour und Disturbed absolvierten sie die „Music As A Weapon“-Tour, die sie nicht nur erneut durch die Staaten führte, sondern auch Konzerte in Europa bedeutete.



Dieses Jahr haben Flyleaf die „Justice & Mercy“-Tour als Headliner absolviert, in deren Rahmen auch Bands wie Dropping Daylight (A&M/Octone), Kill Hannah und Resident Hero aufgetreten sind. Derzeit ist eine weitere „Family Values“-Tour in Planung, dieses Mal mit Evanescence und Atreyu.



Inzwischen ein noch viel eingeschworener Haufen denn je, mit einer unvergleichlichen Leidenschaft für ihre Musik und Songs im Gepäck, die einem auch Stunden nach einem Konzert noch im Ohr sind, begeistern Flyleaf eine immer größere Fangemeinde. Ihr Bandname ist insofern mehr als treffend gewählt: Denn die Erfolgsgeschichte von Flyleaf hat in der Tat gerade erst begonnen.
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